Judas kommt gleich – Informationen für Galerie

„Judas kommt gleich …“ ist ein Hauptwerk von Jot, das Konkrete Kunst und Minimalismus mit einem biblischen Narrativ verbindet. Geometrie, Farbe, Schichtung und Leerstelle konstruieren einen präzisen Zeitpunkt: Elf Jünger sind anwesend, Judas fehlt noch und der Verrat steht unmittelbar bevor.

Konkrete Kunst von Jot, Werk Judas kommt gleich mit geometrischen Elementen und narrativer Abstraktion

Titel: „Judas kommt gleich …“
Künstler: Jot
Stil: Konkrete Kunst, Minimalismus
Technik: Öl auf Leinwand, Mixed Media
Jahr: 02/2024
Format: 45 × 63 cm
Werknummer: Jot-HW-24-01
Werkzyklus: 1 – 7

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Komposition und Konstruktion

„Judas kommt gleich …“ basiert auf einer reduzierten geometrischen Ordnung, deren einzelne Elemente zugleich Träger des Narrativs sind.

Elf Jünger sind durch Kreisformen in die Komposition eingebunden. Rechts bleibt ein Platz frei – die Position des noch abwesenden Judas.

Jesus befindet sich im Zentrum des Werkes. Seine Darstellung besteht aus drei übereinanderliegenden, ausgeschnittenen Leinwandkreisen in Gelb, Rot und Blau. Die Ebenen werden zunehmend kleiner und sind leicht in Richtung des freien Platzes versetzt.

Gelb steht für den Leib Christi, Rot für das Blut Christi und Blau für die Verbindung zwischen Christus, seinen Jüngern und dem Himmlischen.

Von Jesus ausgehend führen elf sich verkleinernde blaue Kreise in Richtung des freien Platzes. Sie stehen für die bereits anwesenden Jünger und erzeugen zugleich die Blickrichtung Jesu.

Damit wird die Abwesenheit von Judas geometrisch in die Komposition eingebunden.

Das schiefe Viereck

Jesus und die Jünger werden von einem schiefen Viereck umschlossen – einem wiederkehrenden Element in der Formensprache von Jot.

Die obere Seite dieser geometrischen Form wurde bewusst nach unten versetzt und befindet sich zwischen Jesus und den Jüngern.

Dadurch wird die Linie zum Gabentisch des bevorstehenden Abendmahls.

Gleichzeitig bleibt Jesus durch die Verschiebung der oberen Begrenzung teilweise außerhalb der Umschließung. Jot verbindet damit die geometrische Konstruktion mit der bereits bestehenden Verbindung Jesu zum Himmlischen.

Eine Veränderung innerhalb einer einfachen geometrischen Grundform übernimmt so gleichzeitig eine formale und eine narrative Funktion.

Farbe als Bedeutungsträger

Das Werk wird von zwei Gelbtönen bestimmt.

Die Jünger und das schiefe Viereck erscheinen in einem dunkleren Gelb, während ein intensives, grelles Gelb den Hintergrund bestimmt.

Jot greift damit eine historische Bedeutungsebene auf: In mittelalterlichen Farbzuordnungen wurde Gelb unter anderem mit Verrat verbunden.

Nur Jesus hebt sich durch Rot und Blau deutlich von diesem gelben Bildraum ab.

Der Verrat selbst wird nicht dargestellt. Über die Farbe ist er jedoch bereits in der Situation gegenwärtig.

Ein präziser Moment

Der Titel gibt den Schlüssel zur zeitlichen Einordnung:

„Judas kommt gleich …“

Elf Jünger sind bereits anwesend. Judas fehlt. Sein Platz bleibt frei.

Das Abendmahl hat noch nicht begonnen.

Der Verrat steht noch bevor.

Das Werk zeigt damit weder das Abendmahl noch den Verrat selbst, sondern den Moment unmittelbar davor.

Diese zeitliche Setzung ist für die Arbeit wesentlich. Der Betrachter kennt den weiteren Verlauf der Geschichte, während das Bild selbst in einem Augenblick verharrt, in dem das entscheidende Ereignis noch nicht stattgefunden hat.

Geometrie wird Narrativ

„Judas kommt gleich …“ zeigt exemplarisch einen wesentlichen Ansatz innerhalb der künstlerischen Position von Jot.

Die Erzählung wird nicht illustrativ dargestellt. Es gibt keine figürliche Abendmahlszene.

Stattdessen wird das Narrativ über Anzahl, Position, Größenfolge, Farbe, Schichtung und Leerstelle konstruiert.

Kreise werden zu Personen.

Eine Linie wird zum Gabentisch.

Eine Farbfläche kündigt den Verrat an.

Eine Leerstelle wird zur abwesenden Person.

Die geometrische Ordnung bleibt dabei vollständig sichtbar und erhält gleichzeitig eine zweite Lesbarkeit.

Die Geometrie schafft die Ordnung. Das Narrativ öffnet das Bild.

Vermittlung im Ausstellungsraum

Gerade diese doppelte Lesbarkeit bietet einen Ansatz für die persönliche Werkvermittlung.

Der Betrachter kann „Judas kommt gleich …“ zunächst als reduzierte geometrische Komposition wahrnehmen. Erst über den Titel und die schrittweise Einführung werden die elf Jünger, Jesus, der freie Platz, die Blickrichtung, der Gabentisch und schließlich der genaue Zeitpunkt der dargestellten Situation erschlossen.

Das Werk verändert sich dabei nicht.

Aber die Wahrnehmung des Betrachters verändert sich.

Damit eignet sich „Judas kommt gleich …“ besonders für eine Vermittlung, bei der nicht eine fertige Interpretation vorangestellt wird, sondern sich die Bedeutung Schritt für Schritt aus der sichtbaren Konstruktion entwickelt.

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