
Die Wooge
Jot, 2023
Manchmal beginnt ein Kunstwerk nicht mit einer Idee,
sondern mit einem Moment.
Ein kleiner Junge steht in einer Bahnhofshalle,
blickt nach oben und sagt:
„Mama, schau mal – eine Wooge.“
Ein falsches Wort.
Und doch ein vollkommen richtiges Empfinden.
„Die Wooge“ bewahrt genau diesen Augenblick –
den Moment, in dem Wahrnehmung der Sprache voraus ist.
Im Zentrum des Werkes steht eine Form,
die an eine Waage erinnert.
Ein Symbol für Gleichgewicht, für Messen, für Gewissheit.
Und doch entzieht sich dieses Gleichgewicht.
Zwölf Kugeln umgeben die Mitte.
Elf sind gleich.
Eine ist anders.
Welche – bleibt offen.
Das Werk stellt eine Frage,
ohne sie zu beantworten.
Und genau darin liegt seine Kraft.
Was auf den ersten Blick spielerisch wirkt,
trägt eine stille Konsequenz in sich:
Alle Maße folgen den Gesetzen der Primzahlen.
Eine Ordnung, die sich nicht aufdrängt,
aber alles durchzieht.
Wie ein leiser Gegenpol
zur kindlichen Freiheit des Anfangs.
Auch materiell bleibt das Werk zwischen den Zuständen:
Es ist Zeichnung –
und zugleich Objekt.
Die Formen sind geschnitten, geschichtet, gepresst.
Sie heben sich kaum sichtbar aus der Fläche heraus.
Erst im zweiten Blick entsteht Tiefe.
Fast so, als würde sich das Bild langsam öffnen.
„Die Wooge“ ist kein Werk, das sich sofort erschließt.
Es bleibt.
Es arbeitet nach.
Es begleitet.
Vielleicht ist es genau das,
was wir heute selten geworden sind:
Ein Bild, das keine schnelle Antwort gibt –
sondern eine Frage,
die man mitnimmt.
Und irgendwann, viel später,
taucht sie wieder auf:
Welche Kugel war es?
Und war sie leichter –
oder schwerer?
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