
Der Kuss
Öl auf Leinwand, auf Holz adaptiert
90 x 60 cm | 06/2024
Serie: Jot-Kompositionen
Kategorie: Hauptwerk
Werknummer: Jot-HW-24-02
Original: Privatbesitz des Künstlers
„Werkzyklus-Edition“
„11 Variationen eines Hauptwerks“
Künstlerdossier – Jot
1. Künstlerprofil
Jot arbeitet an der Schnittstelle von Konkreter Kunst, Minimalismus und konzeptueller Bildsprache. Seine Werke zeichnen sich durch eine reduzierte formale Ästhetik aus, die jedoch bewusst als Träger einer verborgenen Bedeutung eingesetzt wird.
Im Gegensatz zur klassischen Konkreten Kunst, die auf autonome Form und Bedeutungslosigkeit setzt, entwickelt Jot eine eigenständige Position:
Geometrische Reduktion wird zum codierten Ausdruck emotionaler und existenzieller Themen.
Die Arbeiten erschließen sich nicht ausschließlich visuell, sondern entfalten ihre volle Tiefe erst im Zusammenspiel von:
- Form
- Titel
- begleitendem Text
- und – im Idealfall – dialogischer Vermittlung
2. Künstlerische Position
Jots Arbeiten folgen einem klaren Prinzip:
Minimalistische Form dient als Träger komplexer, nicht unmittelbar sichtbarer Inhalte.
Dabei entstehen Werke, die sich in zwei Ebenen lesen lassen:
- Unmittelbare Wahrnehmung
– ruhige, reduzierte Kompositionen
– klare Linien, geometrische Strukturen
– kontrollierte Farbigkeit - Erschlossene Bedeutungsebene
– Beziehung, Identität, Fragilität
– psychologische und existenzielle Prozesse
– symbolische Systeme (z. B. DNA, Bewegung, Verbindung)
Der Betrachter wird nicht überwältigt, sondern eingeladen, sich dem Werk schrittweise anzunähern.
Der eigentliche Moment der Arbeit entsteht im Übergang vom Sehen zum Verstehen.
3. Werkbeispiel: „Der Kuss“
„Der Kuss“ ist eine konzeptuelle Weiterführung eines ikonischen Themas in der Sprache der Konkreten Kunst.
Zwei geschwungene Linienkörper kreuzen sich und lassen sich als abstrahierte Figuren lesen. In ihrer Form können sie als X und Y interpretiert werden und verweisen damit auf ein grundlegendes biologisches Prinzip von Verbindung und Differenz.
Zwei Spiralen bilden die geistige Ebene der Figuren. Sie stehen für das Individuelle, für Gedanken und innere Bewegung. Beide entwickeln sich aus dem eigenen Zentrum heraus und nähern sich einander an, ohne ihre Eigenständigkeit vollständig aufzugeben.
Im Zentrum verdichtet sich die Komposition in einer reduzierten Geste:
Der Kuss erscheint als minimalistische Form – als Schnittpunkt zweier Systeme.
Der Hintergrund, in einem kühlen, pastelligen Ton gehalten, kann als fragile Oberfläche gelesen werden. Er erzeugt ein Spannungsfeld zwischen Stabilität und Zerbrechlichkeit und verweist auf die äußeren Bedingungen von Beziehung.
Die gesamte Komposition ist in ein bewusst gesetztes, leicht verschobenes Viereck eingebettet, das einen geschützten Raum innerhalb des Bildes definiert.
4. Material und Technik
Die Werke entstehen durch eine Kombination aus malerischen und konstruktiven Verfahren:
- Leinwand auf Holzträger montiert
- Einzelne Bildelemente (Linienkörper, Spiralen, zentrale Formen) werden separat ausgeschnitten und aufgesetzt
- Dadurch entsteht eine reliefartige, physische Bildtiefe
Die Spiralen werden in mehreren Schichten aufgebaut:
- Auftrag von feinem Sand zur Strukturierung
- anschließende Farbgebung durch rotierende Bewegung
Diese Technik verleiht den Elementen eine eigene Körperlichkeit und verstärkt die Wahrnehmung von Bewegung und Energie im Bild.
Ein klassischer Rahmen ist nicht erforderlich – das Werk versteht sich als in sich geschlossene Einheit.
5. Rezeption und Vermittlung
Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit ist die Aktivierung des Betrachters.
Jot entwickelt bewusst eine doppelte Zugänglichkeit:
- Werke funktionieren als eigenständige visuelle Objekte
- gleichzeitig existieren begleitende Texte, die einen vertieften Zugang ermöglichen
In Ausstellungssituationen kann die Vermittlung auch dialogisch erfolgen.
Der Betrachter wird dabei aktiv in den Wahrnehmungsprozess eingebunden und durch das Werk geführt.
6. Einordnung
Jots Arbeiten stehen formal in der Tradition der Konkreten Kunst und des Minimalismus, erweitern diese jedoch um eine konzeptuelle Dimension:
- Form ist nicht Selbstzweck, sondern Bedeutungsträger
- Reduktion dient nicht der Leere, sondern der Konzentration
- Geometrie wird zum Träger emotionaler und existenzieller Inhalte
7. Kurzstatement
„Meine Arbeiten bewegen sich in der formalen Sprache der Konkreten Kunst und des Minimalismus.
Hinter der reduzierten Oberfläche verbirgt sich ein codiertes Bedeutungssystem, das sich dem Betrachter erst über Titel, Text oder dialogische Annäherung erschließt.
Der eigentliche Moment entsteht im Übergang vom Sehen zum Verstehen.“